Wir sind hier!
Am Samstag haben wir uns, die Gruppe Trailerpark, mit vielen Unterstützer_innen, Wohnwägen und Zelten auf den Weg gemacht, auf die ungenutzte Brachfläche in der Schultze-Delitzsch-Straße im Leipziger Osten zu ziehen. Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich zusammengefunden hat, um eine Brachfläche im Leipziger Osten zu besetzen und dort kollektiv in Wägen zu leben; drauszen und trotzdem zentral in der Stadt. Wir wollen dieses Leben kollektiv gestalten, das meint das Wohnen genauso wie das Arbeiten ohne Lohnarbeitszwang: politisch, künstlerisch und sozial.

Wir wollen einen Ort abseits von prekären Mietverhältnissen schaffen, wo wir und andere Menschen es sich leisten können, hierarchiefrei und losgelöst von herrschenden Mechanismen wie Sexismus, Rassismus, Homophobie und anderen Diskriminierungen miteinander umzugehen. Wir wollen einen Ort der gleichzeitig Lebensraum, Arbeitsraum, Gestaltungsraum, Spielraum, Schutzraum sein kann, und genauso privat wie öffentlich ist.

Die Situation von im Wagen lebenden Menschen in Leipzig ist nach wie vor äußerst prekär: Die bestehenden Wagenplätze sind überfüllt oder befinden sich in empfindlichen Schwebezuständen. Während die einen überteuerte Mieten zahlen, um nicht zu wissen, wie lange ihr Vertrag noch laufen wird, sind andere geduldet. Akut ist auch der Wagenplatz Focke80 von der derzeitigen Stadtentwicklung betroffen: das Liegenschaftsamt plant den Abriss von Gebäuden und die Entsiegelung des Geländes. Wie die weitere Nutzung durch die Bewohner_innen aussehen kann, ist noch unklar. Aus den Erfahrungen anderer Gruppen wissen wir, dass es mehr als schwierig ist als neu entstehender Wagenplatz eine geeignete Fläche zu finden, auf der sich dauerhaft leben lässt. Anfragen sowohl bei privaten Personen als auch bei städtischen Behörden bleiben unerhört und ergebnislos. So sind wir selbst auf die Suche gegangen und haben uns entschlossen, auf diese Fläche zu ziehen.

Der Leipziger Osten hat noch viele Freiflächen und Leerstand, doch Hypezig kommt auch hier an. In einer Phase des Grundstücks- und Immobilienausverkaufs sind viele Bestände an professionelle und private Immobilienverwerter_innen gegangen, die die Mieten nach einer Sanierung schnell in die Höhe treiben. Raum, der konsumfrei, unkommerziell und unabhängig von Verwertungslogik genutzt werden kann, gibt es hier – so wie überall anders – viel zu wenig.

Gerade im Osten von Leipzig leben jedoch viele Menschen am Existenzminimum, viele davon unfreiwillig. Egal ob sich diese bewusst dazu entschieden haben, ohne viel Geld auszukommen oder dazu gezwungen sind, werden sie nach und nach aus dem Viertel verschwinden müssen. Die Rede von den Freiräumen, mit denen sich die Stadt gerade europaweit einen Namen macht, bekommt einen schalen Beigeschmack, wenn sie Freiräume für wenige bleiben; oder Freiräume für kurze Verschnaufpausen im täglichen Kampf um ein paar Krümel vom Kuchen.

Diesen kritischen Umständen möchten wir mit unserer Besetzung etwas entgegensetzen! Räume, die sich den Mechanismen der Leistungsgesellschaft entziehen und nicht konsumorientiert sind, sind wichtig für eine lebendige Stadt. Wir wollen Impulse zur kreativen statt passiven Mitgestaltung der Stadt geben. Wir laden die Menschen aus der Nachbarschaft und der weiteren Umgebung ein, hier einen Raum zu finden, der Möglichkeiten für Alternativen schafft. Dafür wollen wir zum Beispiel offene Werkstätten, einen gemeinschaftlichen Hochbeetgarten, ein Recycling-Materiallager aufbauen. Außerdem werden wir Film- und Theatervorstellungen, Infoveranstaltungen, Workshops organisieren. Alle Mitstreiter_innen, Nachbar_innen sind herzlich willkommen.

Wir fordern Toleranz und Unterstützung! Die Stadt sind wir alle! Wir sind hier. Wir sind nicht allein.