Stellungnahme des Wagenplatzes Trailer Moon anlässlich der politischen Entwicklungen um die Fläche zwischen Schultze-Delitzsch-Straße und Mariannenstraße

Seit Monaten rotieren um unseren Wagenplatz herum die Bagger: Gebäude werden abgerissen, Bäume gefällt, die Fläche wird entsiegelt. Ziel: In Volkmarsdorf soll eine Grünfläche entstehen; die Stadt sieht seit dem Planfeststellungsbeschluss von 2011 die Anpflanzung eines „Urbanen Waldes“ vor. Als Wagenplatz und als Menschen, die im Leipziger Osten ihr Zuhause haben, möchten wir hiermit zu den politischen Entwicklungen der letzten Monate Position beziehen.

Wir wollen einen Park! Volkmarsdorf, die Eisenbahnstraße, der Leipziger Osten sind aktuell die Hotspots der Gentrifizierung. Dies bedeutet steigende Mieten und Verdrängungsprozesse und bringt häufig die Privatisierung vormals öffentlicher Räume mit sich. Der Erhalt und die Schaffung von Freiräumen, Grünflächen und nicht-kommerziellen Orten sind daher eine dringende Notwendigkeit. Die Fläche zwischen Schultze-Delitzsch-Straße und Mariannenstraße muss langfristig als Gemeingut gesichert werden, einen Verkauf seitens der bisherigen Eigentümerin, der Deutschen Bahn, an einen oder mehrere Investoren gilt es zu verhindern.
Die im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen für den Bau des City-Tunnels beschlossene Anpflanzung eines Urbanen Waldes sehen wir jedoch nur teilweise als Schritt in die richtige Richtung. Wie Henry Hufenreuter am 16.10. am Rande einer Informationsveranstaltung erklärte, basiert die Entscheidung dazu auf der Einschätzung von 2010, dass Volkmarsdorf-Nord „verloren“ sei – es sei damals sogar darüber nachgedacht worden, Altbauten abzureißen um Grünflächen für die Bewohner*innen des südlichen Volkmarsdorf zu schaffen. Nachdem das Gebiet um die östliche Mariannenstraße in den letzten Jahren einen explosionsartigen Zuzug von Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen erlebt hat, gibt es inzwischen einen großen Bedarf an Orten, an denen alte und neue Bewohner*innen sich kennenlernen und zusammen ihren Stadtteil gestalten können. Es gibt viele Gruppen in der Nachbar*innenschaft, die sich einen Park mit vielfältiger Nutzung wünschen, z.B. Erlebnis-/Bauspielplatz, Nachbarschaftsgärten, Freiflächen und Kulturangebot. Diesen Initiativen sollte Raum gegeben werden, einen Stadtteilpark „von unten“ zu gestalten. Dass die Ratsversammlung am 26.10. zusammen mit dem Antrag auf den Bau einer Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz auch die Schaffung eines Parks abgelehnt hat, zeigt jedoch, wie wenig wir uns darauf verlassen können, dass dies einfach passiert, wenn wir nicht laut und gemeinsam dafür einstehen.

Einen Park oder eine Grünfläche wollen wir nicht behindern, sondern bereichern! Als Wagenplatz sind wir nicht nur ein Ort, an dem ein paar Menschen kollektive, solidarische Wohnformen ausprobieren und beispielsweise mit der ausschließlichen Nutzung vor Ort gewonnenen Solarstroms alternative Energieversorgungskonzepte erproben. Von Anfang an war uns und unserem Schwesterprojekt RhizomiA wichtig, auch Lebens- und Schaffensraum für unsere Nachbar*innen zu erschließen: in den letzten zweieinhalb Jahren hat sich der Platz mit Kleinkunstveranstaltungen, Flohmärkten, gemeinsamen Kochabenden etc., die von vielen Menschen aus der Nachbar*innenschaft gestaltet und genutzt wurden, als Ort der Begegnung im Stadtteil etabliert. Unser Ziel ist es, diese nicht-kommerziellen und selbstorganisierten Räume in Volkmarsdorf zu erhalten und dauerhaft zu sichern. Denn die Tatsache, dass die Wagenplätze besetzt sind, hat es uns teils schwer gemacht, Veranstaltungen öffentlich zu bewerben und sicherlich auch manche Anwohner*innen abgeschreckt, selbst vorbeizukommen. Wir möchten einen Beitrag von vielen zu einem hier entstehenden Park leisten. Unser Bedarf nach Privatsphäre lässt sich dabei leicht durch die Kennzeichnung eines Bewohner*innenbereichs decken und auf 27.000 Quadratmetern bleibt genügend Raum für alle, die den Park nutzen und gestalten wollen. Wenn die Stadt also immer wieder verkündet, sie könne die Fläche nicht mit den Wagenplätzen kaufen, so sehen wir dies nicht als Naturgesetz; wir jedenfalls sind zu kreativen Verhandlungslösungen bereit. Deswegen organisieren wir uns gerade mit anderen Initiativen und Einzelpersonen, die die Fläche mitgestalten wollen. Wer interessiert ist, daran teilzunehmen, kann sich sehr gerne bei uns melden; auch wir werden in den nächsten Monaten verstärkt auf unsere Nachbar*innen zugehen.

Wir sind verhandlungsbereit! Wir haben der Stadt gegenüber bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Wir wissen, dass eine Lösung gefunden werden muss und unternehmen bereits vielfältige Bemühungen in diese Richtung. Idealerweise möchten wir auf dieser Fläche ein integrierter Teil eines Stadtteilparks werden. Wir verhandeln mit Stadt und Bahn, um eine entsprechende, dauerhaft gesicherte Lösung für unseren Verbleib auf der Fläche zu finden, am aktuellen Ort oder auch auf einem anderen (geeigneten) Teilstück. Falls dies aufgrund rechtlicher Schwierigkeiten oder politischem Druck unmöglich wird, sind wir auch bereit, über Alternativen zu reden. Wir möchten jedoch Teil einer solidarischen, nicht-kommerziellen Nachbarschaftskultur in Volkmarsdorf bleiben und nicht nur als „Zwischennutzung“ zum alternativen Image des Stadtteils beigetragen haben. Unsere Besetzungen haben gezeigt, wie es möglich werden kann, sich zusammen zu tun und Orte zu schaffen, an denen wir lernen können, gemeinsam selbst etwas für unser Leben zu tun. Wir appellieren deshalb an die Bahn und an die Stadtpolitik, die Voraussetzungen dazu zu schaffen, dass alle Interessierten einen selbstorganisierten Stadtteilpark verwirklichen können!

Trailer Moon, im November 2016
Kontakt: trailerpark@riseup.net